Was negative Gefühle mit einem glücklichen Leben zutun haben

Wir weinen, weil wir traurig sind oder uns freuen; wir lachen, weil wir glücklich sind oder aus Unsicherheit; wir schreien vor Wut – oder aus Vergnügen. Menschen sind durch und durch fühlende Wesen. Und so schön und bereichernd es auch ist, zu fühlen – so sehr können uns unsere Gefühle auch überfordern und aus der Bahn werfen. 

Dabei vergessen wir oft, dass wir selbst entscheiden können, wie wir uns fühlen. In der Kognitiven Verhaltenstherapie gibt es einen ganz einfachen Grundsatz: Unser Denken bestimmt unsere Gefühle und die wiederum unser Handeln. Zugegeben, das ist für das, was in unserem Kopf so vor sich geht, sehr einfach dargestellt. 

Auf einen Blick

Zu einem glücklichen Leben gehören auch negative Gefühle. Der Unterschied liegt nur darin, wie man mit Trauer, Angst, Wut, Scham und Neid umgeht. Verdrängen und Ignorieren ist hier auf jeden Fall der falsche Weg. Nur, wenn du die Gefühle als Teil von dir akzeptierst und sie verarbeitest, gibst du auch positiven Gefühlen die Chance, dein Leben zu bereichern.

Aber mindestens eine Sache können wir daraus lernen: Unsere Gedanken sind der Schlüssel zu einer stabilen Gefühlswelt. Das heißt konkret: Wenn du dich auf das Positive in deinem Leben und jeder einzelnen Situation konzentrierst, dann wirst du auch weniger negative Gefühle durchleben. Aber eines möchte ich dir auch nicht vorenthalten: Negative Gefühle wie Angst, Wut und Trauer gehören genauso zu einem glücklichen Leben wie Freude, Dankbarkeit und Liebe. 

Warum negative Gefühle zum Glück dazu gehören

Apropos: Wie fühlst du dich gerade? Lass mich dir dazu eine persönliche Geschichte erzählen. Es gab nämlich eine Zeit in meinem Leben, da kannte ich die Antwort auf diese Frage ganz einfach nicht. Ich wusste nicht, ob ich mich gerade freue oder ob ich traurig bin. Man kann sagen, zwischen meinen Gefühlen und mit herrschte eisige Funkstille. 

Versteh mich nicht falsch, ich hatte auch in dieser Zeit Spaß, habe schöne Momente erlebt und Zuneigung zu meinen Lieblingsmenschen empfunden. Aber diese Gefühle hatte ich, weil sie in meinem Kopf gespeichert waren – wie eine Art Erinnerung. Ein Reminder daran, dass ich Liebe empfinden sollte und bei einer Party bitte Freude zu verspüren habe. Also habe ich gelächelt, obwohl in meinem Herzen nichts als Leere war.

Lachen
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Klingt ein bisschen krank für dich? Das hoffe ich – denn das war es auch. Das war ein Symptom der Depression, die mir einige Monate später diagnostiziert wurde. Und keine Sorge – heute liebe, lache und weine ich wieder aus vollstem Herzen. Aber es hat lange gedauert, bis meine Gefühle und ich wieder miteinander sprechen konnten. 

Halte Kontakt zu deinen Gefühlen

Das Gute an der Geschichte ist, dass ich mittlerweile weiß, warum ich den Kontakt zu meiner Gefühlswelt verloren habe. Und damit dir das erst garnicht passiert, möchte ich dich in dieses Wissen einweihen. Okay, so ein richtiges Geheimnis ist es jetzt nicht – aber es war mir zumindest einfach nicht klar: Jedes Mal, wenn du negative Gefühle verdrängst oder ignorierst, schadest du damit auch deiner Beziehung zu deinen positiven Gefühlen

Und wenn du das – so wie ich – lange Zeit machst, dann versuchen deine Gefühle irgendwann nicht mehr, dich auf etwas hinzuweisen, was du ja scheinbar eh nicht wissen möchtest – und dann herrscht eben Funkstille. 

Funkstille mit den eigenen Gefühlen
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Weißt du, natürlich sind Gefühle wie Angst, Trauer und Wut nicht unbedingt angenehme Zeitgenossen. Aber auch sie haben ihre Berechtigung und wollen dich im Zweifel auf etwas hinweisen, das gerade schief läuft. Und wenn du sie ignorierst, ohne die Ursache zu hinterfragen oder sie zu verarbeiten, dann gehen sie nicht weg – sondern sie werden lauter. Und zwar so lange, bis du ihnen endlich Aufmerksamkeit schenkst.  

Negative Gefühle als Teil eines glücklichen Lebens

Das ist es auch, was glückliche Menschen mit ihren negativen Gefühlen machen: Sie akzeptieren sie als Teil von sich und durchleben auch Angst und Trauer aufmerksam. Das bedeutet natürlich nicht, dass du für ein glückliches Leben immer perfekt mit Krisen umgehen sollst.

Aber die Forschung zeigt eben sehr deutlich, dass die aktive Verarbeitung negativer Gefühle unser Leben besser macht – ganz unabhängig davon, ob wir die Gefühle bewusst angehen oder aus Gewohnheit auf diese Weise mit Emotionen umgehen und das Glück einfach ein zufälliger Nebeneffekt ist. 


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Einen Moment…
Juhu – das hat geklappt!

Laut der renommierten Psychologin Barbara Frederickson, einer Pionierin der Positiven Psychologie, stehen in einem glücklichen Leben drei positive Gefühle einem negativen gegenüber.

Will und Rosie zum Beispiel hatten neulich einen Tag, der sie besonders glücklich gemacht hat. Morgens haben sie sich leckeres Frühstück bestellt, danach haben sie einen langen Waldspaziergang gemacht und abends ihre Freunde getroffen. Dass Rosie im Wald böse umgeknickt ist, haben sie dabei schon fast wieder vergessen…

Die vielen positiven Dinge haben das Negative

an diesem Tag einfach überschattet.

Will & rosie

Laut Frederickson leben die meisten Menschen allerdings kein ganz so glückliches Leben.  Mit einem Verhältnis von zwei zu eins neigen viele Leute eher zur Unzufriedenheit. Bei einem Gleichstand von positiven und negativen Emotionen bewegen sich übrigens Menschen, die mit Depressionen zu kämpfen haben.

Das Problem mit negativen Ereignissen und Gefühlen ist nämlich folgendes: Sie bleiben uns besser in Erinnerung. Denn sie kosten uns meisten mehr Energie und dank unserer Vorfahren neigen wir dazu, eher das Negative zu sehen, als das Positive. 

Traurig
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Glücksforscher Martin Seligmann nennt diese Eigenschaft von uns “kathastrophisches Gehirn”. Und das ist ein Überbleibsel aus der Steinzeit. Denn da mussten die Menschen immer auf der Hut sein und das Schlimmste erwarten

Vielleicht kommt dir das ja bekannt vor: Wenn du an deine Zukunft denkst, malst du dir die kuriosesten Szenarien aus und bekommst davon dann vielleicht sogar Angst – eben weil du auf wirklich alles vorbereitet sein möchtest. Dabei ist die Welt heute nicht ansatzweise mehr so gefährlich wie damals.

Wie du mit negativen Gefühlen umgehen solltest

  1. Um dich deinen negativen Gedanken und Gefühlen zu stellen, kannst du als erstes eine rationale Überprüfung machen. Wenn du Angst hast, frage dich, wie real die Gefahr wirklich ist und was das Schlimmste ist, was passieren könnte. Wenn du wütend bist, frage dich, ob es wirklich die Wut ist, die dich gerade beschäftigt. Oder ob nicht vielleicht ein anderes Gefühl dahinter steckt. Und zwar im besten Fall, bevor du aus der Wut heraus handelst 🙂 Denn oft versteckt sich Angst oder Trauer dahinter. Und wenn du traurig bist, dann frage dich, was genau dich traurig macht und ob du daran etwas ändern kannst. 
Gefühlswelt
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  1. Wenn du mich fragst, ist der Umgang mit Trauer am schwersten. Denn Trauer ist ein so großes Gefühl, das meistens Zeit braucht. Und genau deshalb so wichtig. Denn Trauer hilft uns ungemein, schlimme Dinge zu verarbeiten. Und es ist okay, zu weinen und verzweifelt zu sein. Das gehört eben zu dem Prozess dazu. Und wenn du soweit bist, dann suche dir Trost – bei Freunden, Familie oder in deinen Lieblings-Beschäftigungen.
  1. Du kannst den Gefühlen auch ein Stück weit die Macht nehmen, indem du einfach über sie denkst. Wenn dir etwas Angst macht, dann denke nicht  “Ich bin ängstlich”, sondern “Ich fühle Angst”. Dadurch identifizierst du dich weniger mit dem Gefühl und nennst beim Namen, was es ist: Ein Gefühl, das zwar Teil von dir ist, dich aber nicht bestimmt. Das Gleiche funktioniert auch mit Trauer, Wut, Neid und all den anderen unbeliebten Emotionen.

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Einen Moment…
Juhu, das hat geklappt 🙂

  1. Wenn dir der Zugang zu deinen Gefühlen aktuell nicht so leicht fällt, dann kannst du auch ein Gefühlstagebuch schreiben. Darin notierst du einfach immer dann, wenn dir danach ist, genau das, was du denkst, erlebst  – und glaubst dabei zu fühlen. Das schärft den Blick für dein Innenleben wieder und du kommst deiner Gefühlswelt Schritt für Schritt wieder näher. 
  1. Negative Gefühle haben auch gesellschaftlich gesehen einen schlechten Ruf. Wer sich in der Öffentlichkeit streitet oder aufregt, der wird direkt schief angeguckt und als Choleriker oder Drama-Queen abgestempelt. Und natürlich solltest du nicht immer komplett aus der Haut fahren, wenn mal was nicht stimmt. Aber ein Schritt zu mehr Gefühls-Offenheit in der Gesellschaft ist auf jeden Fall ein richtiger. Heißt: Wenn du traurig bist, darfst du auch in der Öffentlichkeit weinen, wenn du Angst hast, darfst du zittern und wenn du wütend bist, darfst du den Ton (ein bisschen zumindest) heben. Das alles zeigt keine Schwäche, sondern Stärke.

FAZIT

Zu einem glücklichen Leben gehören auch negative Gefühle. Der Unterschied liegt nur darin, wie man mit Trauer, Angst, Wut, Scham und Neid umgeht. Verdrängen und Ignorieren ist hier auf jeden Fall der falsche Weg. Nur, wenn du die Gefühle als Teil von dir akzeptierst und sie verarbeitest, gibst du auch positiven Gefühlen die Chance, dein Leben zu bereichern.

3 Kommentare zu „Was negative Gefühle mit einem glücklichen Leben zutun haben

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